Ein kreatives Haus

Eine wandfüllende Bibliothek bis unter die Decke, Bücher in kniehohen Stapeln.
Und das überall im ganzen Haus. Einzelne Bücher aufgeschlagen und markiert.
Ein Berg von Manuskripten auf Tisch und Boden, von Hand beschriebenes Papier mit kleinen Skizzen, korrigierte Schreibmaschinenseiten mit Illustrationen.
Vaters Wutausbrüche in Tintenklecksform an der Wand. Federkratzer und Löcher von
Kugelschreibereinschlägen in der Lederarmlehne. Für die Nachwelt dokumentierte Geisteszustände.
Unter dem Dach ein Atelier mit einem Fußboden aus Ölfarben. Schillernd in allen Schattierungen.
Berge ausgedrückter Farbtuben. Eine Sammlung vergessener Pinsel in ausgetrockneten Gläsern.
In allen Ecken Leinwand aufgespannt in Rahmen, aufgereiht wie Dominosteine.
Auf einer Staffelei der schraffierter Vorentwurf eine gebeugten Frau mit einem Affen auf dem Rücken.
Mutters Selbstbildnisse. Für die Nachwelt dokumentiere Gefühlszustande.
Durch die Dachfenster fällt ein wenig bräunliches Licht. Geputzt hat hier noch niemand,
aber irgendjemand spielt immer Klavier. Klarinette. Violine. Hier in diesem Haus
Ein um sich selbst drehendes Mutter-Universum in einer weit entfernten Vater-Galaxie.
Ein wunderbares Umfeld für ein Kind. Ein kreativer Ort. Ein Startplatz und Ausgangspunkt um
einen richtigen Beruf zu erlernen. Um Anwalt zu werden. Besser noch Staatsanwalt,
sich nachträglich das Recht auf eine Kindheit einzuklagen.
Eine Kindheit mit einem Buch, dessen Zeilen noch keiner analysiert hat.
Eine Kindheit mit ein Blatt Papier und einem Bündel Filzschreiber, einfach nur um Kringel zu malen.
Etwas, was keinen Anspruch hat. Etwas ohne Wert.
Eine Kindheit, in der nicht schon alles ersonnen und hinterfragt wurde. Vielleicht eine Kindheit mit einem Hammer.
Darauf einzuschlagen. Immer wieder.
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(c) Denny Laquette 2017